Die ersten Desktop-Vierkerner: OC Legenden

Veröffentlicht am 5. Dezember 2025 um 2:09

Nachdem ich vor langem in den Besitz einer dieser Desktopprozessoren aus dem Hause Intel kam, fiel mir beim Umräumen anderer Hardware das Bundle aus Mainboard und CPU nun wieder in die Hände. Ich persönlich habe auf dieser Plattform noch nie übertaktet, nach allem was man in Übertakterkreisen der damaligen Zeit (2007 / 2008) liest sollte einiges an Potenzial vorhanden sein. Mangelhafter Hitzetransfer in den Heatspreader ist kein Thema, Prozessoren dieser Ära waren verlötet.

Bei diesen ersten Vierkernern ist Intel wie einige Zeit zuvor beim ersten Zweikern-Prozessor vorgegangen: Zwei Dies zusammen auf einem Träger. Technisch betrachtet ist das Ergebnis also eher ein 2 + 2 Kern Prozessor, auch hinsichtlich der anderen Funktionalitäten (Geteilte Bandbreite, geteilter Cache, doppelte Stromaufnahme, …).

Intel Core 2 Quad Q6600 DeliddedBild: Intel

Um welche Prozessoren geht es überhaupt?

Der Codename Kentsfield verrät Kennern schon alles: Die ersten Mainstream Quadcore CPUs hießen Intel Core 2 Quad Q6xxx. Das legendärste Modell Q6600 (Test von damals) gab es zuerst im Stepping „B3“ mit 105 Watt TDP und kurz darauf im verbesserten Stepping „G0“, dann mit 95 Watt TDP. Die neuere Revision G0 ist generell minimal besser, besonders beim Übertakten macht sich die niedrigere Stromaufnahme stark bemerkbar und erweitert den Freiraum nach oben deutlich.

Mein Q6600 ist das G0-Stepping, gute Voraussetzungen für eine „Oldschool FSB Overclocking Session“ – Der Multiplikator ist nämlich gesperrt (Nur die damals auch erhältlichen, wesentlich teureren Extreme-Varianten hatten einen freien Multiplikator). Der größte Gewinn war ja eben aus den günstigsten Vierkernern mindestens ebenbürtige Leistung gegenüber den teuren Brüdern herauszuholen.

Das sind alle Kentsfield Modelle von damals, Xeon mal außen vor gelassen:

EigenschaftCore 2 Quad
Q6400
Core 2 Quad
Q6600
Core 2 Quad
Q6700
Core 2 Extreme
QX6700
Core 2 Extreme
QX6800
Core 2 Extreme
QX6850
S-SpecSL9UNSL9UM / SLACRSLACQSL9ULSL9UK / SLACPSLAFN
SteppingB3B3 / G0G0B3B3 / G0G0
Takt2.13 GHz2.40 GHz2.67 GHz2.67 GHz2.93 GHz3.00 GHz
FSB1066 MT/s
(266 MHz Quad-Pumped)
1066 MT/s
(266 MHz Quad-Pumped)
1066 MT/s
(266 MHz Quad-Pumped)
1066 MT/s
(266 MHz Quad-Pumped)
1066 MT/s
(266 MHz Quad-Pumped)
1333 MT/s
(333 MHz Quad-Pumped)
Multiplikator8x
Gesperrt
9x
Gesperrt
10x
Gesperrt
10x
Frei
11x
Frei
9x
Frei
TDP105 Watt105 / 95 Watt95 Watt130 Watt130 Watt130 Watt
VerfügbarkeitNur OEMRetail + OEMRetail + OEMRetail + OEMRetail + OEMRetail + OEM
Release?Januar 2007Juli 2007November 2006April 2007Juli 2007

All diese Prozessoren passen in den Sockel LGA 775, haben 8 (4 + 4) MB L2 – Cache und sind Vierkerner. Gefertigt sind alle bei Intel in 65 nm Strukturgröße. Zum ernsthaften Übertakten ans Limit dieser Generation wäre ein Extreme-Modell durch den freien Multiplikator natürlich unumgänglich. In meinem Fall ist das Ganze aber eher Nostalgie – Davon abgesehen ist gerade der Q6600 G0 eine Legende. Fanden 2010 auch die User von PCGH.

Hm, Mainboard?

Ich bekam die CPU damals zusammen mit zwei 2 GB Riegeln 667er Standard-RAM verbaut auf einem Gigabyte GA-965P-DS4 in der Revision 1.0. Ein brauchbares bis gutes Board zum Übertakten. Den RAM habe ich durch vier XMS2 DDR2-800 Riegel mit je 2 GB von Corsair ersetzt – Insgesamt also auch heute theoretisch noch brauchbare 8 GB Arbeitsspeicher.

Als Kühler habe ich den auf dem Board vorhandenen Freezer 7 Pro von Arctic zusammen mit neuer MX-4 Wärmeleitpaste weiterverwendet – Ob dieser ausreicht wird sich zeigen.

Gigabyte GA-965P-DS4 Revision 1.0Bild: Gigabyte

Ausgangslage

In guter alter Bastlermanier habe ich das Mainboard auf den Benchtable gepackt, alle vier RAM-Riegel rein, Kabel dran. Als GPU nehme ich für solche Aktionen gerne ein „problemloses“ Modell, in diesem Fall eine ebenfalls ältere GeForce 210 von ASUS mit 1 GB VRAM – Kein zusätzlicher Stromanschluss, kein Lüfter. PCI-Express 2.0 mit 16 Lanes.

Als Systemlaufwerk hing eine günstige Intenso SATA SSD mit 256 GB Kapazität am ersten SATA-II Port, installiert war Windows 10 22H2 Professional 64-Bit. Das BIOS war bereits auf dem neuesten Stand (F12 vom 25.06.2009).

Das hat dann so ausgesehen:

Dann kanns ja losgehen!

Als allererstes habe ich je einen Cinebench R23 Lauf für Single bzw. Multi gemacht, mit komplett originalen Einstellungen. Die angeforderte VID meines Exemplars beträgt übrigens mittelmäßige 1.288 Volt. Das Ergebnis waren 330 / 1251 Punkte:

Wie früher bei Mainboards von Gigabyte wohl recht üblich muss man im Hauptmenü des BIOS „STRG + F1“ drücken, um alle Optionen angezeigt zu bekommen. Zuerst habe ich mich gewundert warum ich nirgendwo RAM-Timings eintragen konnte – Nach dem Drücken der Tastenkombination waren im Übertaktungsuntermenü plötzlich alle Optionen da. So etwas muss man auch erst einmal wissen.

Nachdem die erste Hürde geschafft war, habe ich alles relevante von „Auto“ auf feste Werte eingestellt, allen voran die RAM-Timings auf die in den Riegeln gespeicherten (5 – 5 – 5 – 18 bei 1.8 Volt) und die PCIe Geschwindigkeit auf „100 MHz“. Als RAM-Teiler wollte ich 1:1 erreichen, also immer schauen das der Endwert bei oder unter den 800 MHz der Riegel liegt.

Das eigentliche Übertakten begann hier: Zuerst galt es herauszufinden was dieser spezifische Prozessor bei originaler Vcore-Spannung zu leisten imstande ist. Diese betrug laut BIOS 1.28750 Volt, exakt passend zu der ausgelesenen VID von 1.288 Volt. 266 MHz ist der originale FSB-Takt, der muss auf jeden Fall laufen.

FSB…

Ich habe immer den FSB-Takt leicht erhöht, gespeichert und neugestartet, dann mit Cinebench R23 kurz auf Stabilität geprüft. Angefangen mit 300 MHz FSB – Das lief wie zu erwarten problemlos und ergibt bereits einen Takt von 2.70 GHz (300 x 9). Als nächstes lief dann 333 MHz ebenfalls ohne Probleme (333 x 9). Schon lagen 3.00 GHz statt den originalen 2.40 GHz an.

Bei einem Takt von 350 MHz hatte ich den ersten Bluescreen im CB23. Kein Problem, einfach im BIOS die Vcore leicht erhöhen – In diesem Fall auf 1.30 Volt um etwas Luft zu haben. Das lief dann direkt wieder rund, 3.24 GHz liegen an!

Nach weiteren immer kleineren Taktsprüngen, Instabilitäten und Vcore-Erhöhungen musste ich bei 372 MHz FSB zum ersten Mal die FSB- und MCH Spannung minimal um 0.10 Volt erhöhen. Das lief dann wieder stabil. Ich habe das Ganze noch sehr viel weiter getrieben, bis ca. 1.55 Volt – Das ist viel zu viel, besonders bei Luftkühlung!

Ich wollte herausfinden ab wann der Takt nicht mehr gut mit der Vcore skaliert. Bei dieser doch sehr gealterten Hardware gab ich mich letztendlich mit 380 MHz FSB zufrieden, alles darüber benötigte wirklich starke Spannungsanhebungen für marginalen Zuwachs (Von 380 MHz auf 386 MHz statt 0.10 Volt nun 0.25 Volt auf FSB und MCH, außerdem 1.525 Volt Vcore!). Natürlich stiegen auch die Temperaturen überproportional an – Über 1.50 Volt hätte ich dauerhaft sowieso nicht geben wollen. Der Arctic Freezer 7 Pro macht einen guten Job, thermisch und spannungstechnisch ist das ein akzeptabler Bereich.

Das Ergebnis

Mit 380 MHz FSB bei im BIOS eingestellten 1.45 Vcore ergibt das 3.42 GHz bei 760 MHz RAM-Takt (1:1 Teilung, 380 x 9). Das sind einfach mal 1.02 GHz mehr als Original und das mit einem eher kleinen Luftkühler. Es ist klar warum diese CPU bei Übertaktern in aller Welt so bekannt ist – Mein Exemplar bewegt sich sogar nur im Mittelmaß was die Siliziumqualität angeht, erkennbar an der mittleren VID. Unter Volllast liest HWiNFO als Vcore nur noch 1.392 Volt aus, der Vdroop ist also deutlich sichtbar.

Sehr warm wird der Prozessor mit diesen Einstellungen durchaus, nach ca. 45 Minuten Prime95 Smallest FFTs war der heißeste Kern bei 79 °C und das Package bei 84 °C. Als dauerhafte Werte deutlich zu warm, im Cinebench R23 ging aber nie etwas über 72 °C. Prime95 ist im Normalbetrieb sowieso eine eher unrealistische Last.

CB23 Vergleich

Hier habe ich noch einmal die Veränderungen zwischen originalem und soeben übertaktetem Q6600 G0 gegenübergestellt:

OriginalÜbertaktetUnterschied
Vcore1.28750 Volt1.47500 Volt+ 14,6 %
FSB266 MHz380 MHz+ 42,9 %
Multiplikator9x9x
Takt2.40 GHz3.42 GHz+ 42,5 %
RAM800 MHz (5 – 5 – 5 – 18, 1.80 Volt)760 MHz (5 – 5 – 5 – 18, 1.80 Volt)– 5,3 %
CB23 Single330467+ 41,5 %
CB23 Multi12511791+ 43,1 %

Das war ein sehr nostalgisches Übertaktungsprojekt. Bleibt nur zu sagen: Man merkt den Leistungsunterschied sofort. Sowohl bzgl. Rechengeschwindigkeit unter Windows 10 als auch an der deutlich gestiegenen Abwärme. Über 40% Leistungsgewinn mit gesperrtem Multiplikator bei nur 15 % mehr Spannung!

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