Voller RAM voraus – Windows XP PAE Modifikation

Veröffentlicht am 13. Januar 2026 um 5:48

Einer der größten Nachteile von Windows XP ist, das die mit weitem Abstand verbreitetste und kompatibelste Variante 32-Bit basierend ist. Das bedeutet, das maximal 4 GB RAM adressiert werden können – Overhead von Treibern und anderen Systemkomponenten reduzieren diesen sowieso schon recht geringen Wert weiter. Im extremsten Fall, der mir bisher begegnet ist beim Quad-SLI Retro-XP-PC: Durch vier Grafikkarten und auch sonst reichlich Hardware sind nur noch schmale 1,44 GB RAM verfügbar. Satte 64 GB sind dort aber in Form von acht Riegeln mit je 8 GB Kapazität verbaut.

Aber auch bei den RetroBooks ist das Maximum von 16 GB RAM eingebaut, von denen unter XP nur ca. 3,25 GB genutzt werden können. Ebenso beim Acer Veriton S670G – 8 GB sind vorhanden, weniger als die Hälfte ist nutzbar.

Man könnte die 64-Bit-Variante von Windows XP installieren, allerdings läuft dort vieles nicht und es gibt für einiges keine funktionierenden Treiber. Oder man baut sich einen Hybrid, der die RAM-Beschränkung aufhebt bzw. erweitert, der aber dafür andere Probleme mit sich bringt. Darum geht es jetzt:

PAE?

Physical Address Extension“ – Das muss der verbaute Prozessor unterstützen. Die Softwareunterstützung heißt genauso. Unter Windows ist die 4 GB Grenze künstlich: „Produktsegmentierung“. Woran kann man das erkennen? Schon Windows 2000 Advanced Server kann mehr als 4 GB RAM nutzen, Server 2003 ebenso. Beides als 32-Bit Betriebssysteme.

Um 32-Bit Windows XP (mit passender CPU) für bis zu 128 GB RAM tauglich zu machen muss man zwei Komponenten der 64-Bit Version von XP implantieren und die Bootparameter ändern. Das Ganze hat aber auch Nachteile, auf die ich danach eingehe.

Modifikation

Als erstes muss man an zwei bestimmte Dateien von Windows XP 64-Bit gelangen. Entweder man baut diese aus der ISO aus oder man lädt diese bei MediaFire (archive.org) herunter.

Anschließend kopiert man beide unter 32-Bit XP nach „C:\Windows\System32\“. Nachdem das getan ist muss man die „boot.ini“ bearbeiten – Am Besten fügt man einen zweiten Eintrag hinzu um bei Problemen noch standardmäßig booten zu können.

Der einfachste Ablauf der Bearbeitung ist folgender (die boot.ini ist standardmäßig versteckt):

Unter den vorhanden Eintrag einen zweiten hinzufügen (Darauf achten das die Partition etc. übereinstimmt):

multi(0)disk(0)rdisk(0)partition(1)\WINDOWS="Microsoft Windows XP Professional (RAM-Limit entfernt)" /kernel=ntkl64g.exe /hal=hal64g.dll /fastdetect /PAE /noexecute=alwaysoff

Die ganze „boot.ini“ sollte dann so oder so ähnlich aussehen:

;
;Warning: Boot.ini is used on Windows XP and earlier operating systems.
;Warning: Use BCDEDIT.exe to modify Windows Vista boot options.
;
[boot loader]
timeout=30
default=multi(0)disk(0)rdisk(0)partition(1)\WINDOWS
[operating systems]
multi(0)disk(0)rdisk(0)partition(1)\WINDOWS="Microsoft Windows XP Professional (Original)" /NOEXECUTE=OPTIN /FASTDETECT
multi(0)disk(0)rdisk(0)partition(1)\WINDOWS="Microsoft Windows XP Professional (RAM-Limit entfernt)" /kernel=ntkl64g.exe /hal=hal64g.dll /fastdetect /PAE /noexecute=alwaysoff

Danach einfach die Datei mit STRG+S oder über das Menü speichern, alles schließen und den Computer neu starten. Beim Hochfahren sollte nun jedes Mal ein Auswahlmenü erscheinen, in dem man zwischen beiden Einträgen wählen kann.

Alternativ kann man auch einen Patcher nutzen, ich bevorzuge aber die Methode mit den zusätzlichen Originaldateien von Microsoft.

Nebenwirkungen

Es wird von einigen Problemen berichtet, die häufigsten:

  • Generelle Instabilität
  • Treiberprobleme
  • Bluescreens
  • Die Datenträgerformatierung funktioniert selten oder überhaupt nicht mehr
  • Probleme mit dem Standby bzw. den Powerstates allgemein

Diese müssen nicht auftreten, können aber. Ich selbst habe bei den RetroBooks nur das Problem mit der Datenträgerformatierung nachvollziehen können – Und das der Boot ab und zu nicht klappt und einfach unendlich weiterlädt. Sobald das System da ist war nichts instabil.

Ein einzelner Prozess kann übrigens trotzdem nicht mehr als 2 GB nutzen. Also profitiert „nur“ das Gesamtsystem in Form von mehr Luft.

Fazit

100 % verlässlich ist diese Modifikation nicht. Dadurch das aber jederzeit normal gebootet werden kann eine nette, spielerische Erweiterung bei der man sich bei jedem Startvorgang entweder dafür oder dagegen entscheiden kann.

Ich habe alle mit XP betriebenen Systeme mit mehr als 4 GB physikalisch vorhandenem RAM so modifiziert.

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