Windows mit dem gewissen Touch

Veröffentlicht am 8. Januar 2026 um 0:11

Wie kann es auch anders sein, wenn einem viel Hardware durch die Hände wandert: Besonders niedrigpreisige Geräte enden eher früher als später zunehmend in ihrer Endstation – Bei mir.

Die Kombination aus Mobil, Günstig, Akkulaufzeit und x86 verheißt selten etwas Gutes. Wenn dann noch „Convertible“ dazukommt – Naja. So auch im Fall der Modellreihe „Miix“ von Lenovo, gleich zwei Tablets dieser Baureihe haben es mit etwas zeitlichem Abstand nacheinander in meine Hände geschafft. Einmal das „Lenovo Ideapad Miix 310-10ICR“ und der direkte Nachfolger „Lenovo Ideapad Miix 320-10ICR“ . Beide sind mit einem 10.1″ messenden Display ausgestattet.

Der erste Eindruck im ausgeschalteten Zustand ist wirklich nicht schlecht. Glasdisplay, die Tastatur wird stabil angedockt, die Verarbeitung ist wertig. Nach dem Einschalten stellt sich Ernüchterung ein – Die Datenblätter haben nicht gelogen. Intel Atom mit 2 Watt TDP in Verbindung mit Embedded Multimedia Card als Massenspeicher ist einfach sehr langsam – aber günstig. So wie jeweils das ganze Gerät, gekauft von verschiedenen Leuten in verschiedenen Mediamarkt-Grabbelhaufen im Sonderangebot.

Beide haben immerhin den maximalen RAM-Ausbau, auch damals (2016 / 2017) mit 4 GB LPDDR3 schon sehr klein bemessen. Mit 2 GB RAM, die es wohl auch gab, wären diese Geräte völlig unbrauchbar mit Windows 10, egal in welcher Version. Dauerswapping auf die langsame eMMC kann einfach nicht gut laufen.

Upgrade…?

Nichts da. Als klassisches Ultramobilgerät ist hardwaremäßig (ohne Spezialequipment und Lötutensilien) wirklich überhaupt nichts aufrüstbar. Also bleibt nur der Versuch, die Software performanter zu machen. Ein wenig hoffnungsvoller Ansatz meinerseits die Reaktionsfähigkeit etwas zu verbessern indem das ab Werk vorhandene Windows 10 Home durch Windows 8.1 Pro ersetzt wird ist kläglich gescheitert: Es gibt einfach keine funktionierenden Treiber, insbesondere für die iGPU des Prozessors (Installieren ließ sich 8.1 in der 64-Bit Variante aber problemlos).

Schade, 8.1 funktioniert mit einem Touchscreen wirklich gut und ist ein zwar mittlerweile wenig unterstütztes, dafür aber auch wenig aufgeblasenes Betriebssystem. Nur ~700 MB RAM waren auf dem Desktop in Verwendung. Es müsste ja nur ein halbwegs aktueller Browser laufen.

64-Bit Windows 7 Ultimate mit integriertem SP1 bootet übrigens auch mit deaktiviertem Secure Boot nicht, es friert beim Versuch mit einem pinken Streifen am Bildschirmrand ein. 32-Bit Betriebssysteme kann man generell nicht booten, im Bootmenü werden diese nicht einmal angezeigt. Das UEFI möchte nur x64 EFI-Dateien laden.

Selbst ein Windows 10 läuft auf so stark limitierter Hardware vermutlich in der 32-Bit Version spürbar besser als die vorinstallierte 64-Bit Edition. Tja.

Also Windows was?

Folgende Systeme habe ich nach und nach auf dem etwas neueren Miix 320-10ICR getestet, alle 64-Bit:

  • Windows 10 Home (21H2)
  • Windows 10 Pro (22H2)
  • Windows 10 Enterprise 1607 LTSB (2016)
  • Windows 10 Enterprise 1803 LTSC (2019)
  • Windows 11 Pro (22H2, 23H2, 24H2)
  • Windows 11 Enterprise IoT 2024

Das hat durch die sehr limitierte Leistung wirklich lange gedauert. Bei all diesen Systemen lief treibermäßig mit den von Lenovo bereitgestellten für „Windows 10 64-Bit“ alles problemlos. Sehr wichtig ist den Treiber für den „Intel Power Management IC (PMIC)“ zuerst zu installieren, da einige Geräte erst danach installierbar auftauchen, beispielsweise die GPU.

Das Windows 10 Home war vorinstalliert und durch gewisse Vorbelastungen merklich langsamer als die darauffolgende frische Installation von Windows 10 Pro. Ein kurz darauf installiertes Windows 11 Pro lief insgesamt vier Jahre und wurde immer wieder durch Inplace Upgrades aktualisiert. Die Geschwindigkeit von allem ließ jedes Mal deutlich nach bis es bei 25H2 nahezu unerträglich wurde:

Am Ende wurde es nun das deutlich gealterte Windows 10 Enterprise 1607 LTSB N von 2016. Das läuft am Besten und kommt in der Standardkonfiguration schon Debloated. Selbst den Windows Defender kann man via Gruppenrichtlinie mit drei Klicks komplett deaktivieren und Edge ist nicht einmal vorhanden. Das .NET Framework in der noch recht aktuellen Version 4.8 läuft darauf – Das ist bei einigen Anwendungen Voraussetzung.

Anwendungszweck

Was tut man mit solch unterdimensionierter Hardware?
In diesem Falle das offensichtliche: Steuern, Überwachen und Regeln.

Beide Tablets laufen bei uns an verschiedenen Stellen mit verschiedenen Aufgaben, softwareseitig maximal abgespeckt mit Ungoogled-Chromium im Dauervollbild. In dieser Konstellation nicht so schlecht wie man denken würde. Etwas Bedenken habe ich im Bezug auf den „Dauernetzteilbetrieb“, das kann nicht gut für die verhältnismäßig großen Akkus der Tablets sein, bisher ist aber alles OK.

Trotzdem ist das Beste solch als „Day One Elektroschrott“ hergestellte Hardware einfach nicht anzuschaffen. Diese Tablets liefen niemals gut, auch brandneu nicht. Vermutlich sogar schlechter, durch viel vorinstallierte Software seitens Lenovo.

Technisch gute Hardware hat einfach ihren Preis und ein x86-basierendes Tablet für damals weniger als 180€ neu kann egal wie nicht gut sein. Selbst modernes Microsoft Office läuft eher schlecht darauf, als noch Windows 11 installiert war stürzte mangels freiem RAM sogar Cinebench R23 ab. Unter Windows 10 1607 LTSB N lässt sich das wenigstens ausführen. Ab Mitte 2026 gibt es für dieses Windows 10 allerdings keine Updates mehr, daher ist eine echte Alltagsnutzung damit nicht zu empfehlen. Als „Überwachungsbildschirme“ werden die zwei Geräte vermutlich aber noch sehr lange bei uns im Einsatz sein.

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