Wenn man Consumer-Grade Hardware in einer 19″-Umgebung einsetzt, stößt man früher oder später auf gewisse Hürden. Vieles kann man via Fernzugriff lösen, sei es via Remotedesktop, AnyDesk oder Teamviewer im Falle von Windows mit GUI oder via SSH bei Linux.
Enterprisehardware bietet da mehr, zum Beispiel IPMI. Wie greift man aber bei günstiger Consumerhardware auf das BIOS / UEFI zu, so ganz ohne Peripherie?
Da kommen Serverkonsolen ins Spiel. Im Prinzip sind das kompakte Zugriffslösungen die einen Bildschirm und eine Tastatur mit oder ohne integrierter Maus bzw. Ersatz (Touchpad) bieten. Die Signalquellen können zwischen mehreren Geräten hin- und hergeschaltet werden und somit kann problemlos auf alles zugegriffen oder konfiguriert werden.
So etwas ist selbstverständlich als fertiges Produkt kaufbar – in der Regel ist der Preis der Hardware aber nicht angemessen. Daher habe ich eine Lösung selbstgebaut.
Komponenten
Eigentlich wird nicht viel benötigt:
- Ein Display das in ein 19″-Rack passt
- Tastatur und Maus oder Ähnlich
- KVM-Switch zum Umschalten zwischen Servern
- Eine Basis, z.B. ein 19″ Einlegeboden
In meinem Fall habe ich den gesamten Bildschirm des im Moment als Low-Power Proxmoxserver eingesetzten HP 17-by2132ng Notebooks weiterverwendet: Dieser wird via eDP angesteuert (früher war LVDS sehr verbreitet), dafür bekommt man kostengünstige Controller in Fernost.
Warum diese Lösung?
Das Panel ist ein energieeffizientes und platzsparendes 17″ IPS LCD mit 1920×1080 Pixeln Auflösung bei 60 Hz mit brauchbarer Helligkeit und war durch notebookseitig herausgebrochene Scharniere sowieso übrig. Zumal das komplette Teil von der Breite her nahezu ideal in ein Rack passt.
Erdacht, gebaut.
Zuerst habe ich einen 19″ Einlegeboden in der bei mir mittlerweile beliebten Farbe Lichtgrau (RAL 7035) in 750 mm (Minimum, verstellbar) Länge als Basis genommen und die Positionierung von allem festgelegt.
Folgende Bauteile habe ich final verwendet:
- Den gesamten Bildschirm des HP Notebooks, Webcam mit Flachbandkabeln und Antennen sind entfernt
- Bildschirmcontroller samt passendem Netzteil
- Flacher Stereolautsprecher
- Vierfach HDMI+USB KVM-Switch
- HP Tastatur und Maus
- Vierfach USB-Netzteil
- Zweifache Schutzkontaktsteckdose
- C14 Buchse
- Einige Klettkabelbinder und Kleinteile (Schrauben, Muttern,…)
Nach einigem CAD und 3D-Drucken sieht das fertige Ergebnis so aus:









Gedanken zum Design
- Im linken „Fuß“ der Bildschirmhalterung ist ein 230V / 10A Wippschalter als Hauptabschaltung integriert
- Im rechten „Fuß“ ist eine ovale Öffnung, um die USB-Kabel von Tastatur und Maus einfach durchführen zu können
- Alle Gerätschaften wurden in Gehäusen fixiert, die auf einen grau bemalten 20 mm Multiplexstreifen geschraubt sind
- Der Bildschirm funktioniert im zugeklappten Zustand zeitgleich als Staubdeckel für Maus und Tastatur (Die Maus liegt verstaut auf der Tastatur)
- Der Lautsprecher bekommt sein analoges Stereosignal vom LCD-Controller: Dieser splittet das Audiosignal vom HDMI-Eingang auf. Komfortabel, spart Kabel und es gibt überhaupt Soundausgabe
- Das gesamte Projekt wird von einem einzigen Kaltgerätekabel versorgt und mit einem einzigen Schalter ein- oder ausgeschaltet
- Kabelmanagement ist in Form von gedruckten Klammern erfolgt, geschraubt ins Multiplex
Ob mir vier getrennte Server reichen werden, ist fraglich. Andererseits besitze ich auch Enterpriseserver und diese sind mit IPMI ausreichend gut zu verwalten. Im Moment ist geplant, die drei Proxmoxserver und den Proxmox Backup Server dort anzuschließen.