Dieses ATX-Mainboard mit TR4 Sockel bildet bei uns die Basis für den „TR-Server“, einen High Performance Proxmoxserver zur Virtualisierung von Windows 10 und 11 VMs. Seit längerer Zeit lief darauf die UEFI-Version „F13a“, ohne Probleme.
Nachdem ich vor kurzem gesehen habe, das es eine neuere Version gibt – „F13d“ – wollte ich das Board auf diese aktualisieren. Wichtig zu wissen ist das dieses Mainboard ein „DualBIOS“ besitzt, also ein zweites UEFI von dem im Fehlerfall statt vom ersten gebootet wird.
Soweit so einfach: Einmal die Einstellungen im UEFI festhalten, USB-Stick mit 4 GB oder weniger als FAT32 formatieren, neue Firmware kopieren. USB-Stick direkt ins Board gesteckt, mit „ENDE“ beim Start in „Qflash“ gewechselt und nach navigieren zur Datei das Update gestartet. Der Modellname stimmt, auch sonst keine Auffälligkeiten.
Und dann ging es bergab.
Zuerst hat das Update immer ein wenig gestockt, lief dann aber doch bis 100% durch und der Computer hat von selbst neu gestartet. Ein POST von diesem ersten, frisch aktualisierten UEFI kam nicht mehr: Ohne piepsen oder ähnlichem wurde nach mehreren Anläufen schließlich vom Backup-UEFI gestartet. Das fiel mir nur auf weil ich die LED-Beleuchtung deaktiviert hatte und diese nun aber in Rot leuchtete.
Verwunderlicherweise war die nun gestartete UEFI-Version die „F12“ von 2019, also älter als die zuvor installierte „F13a“ und auch älter als die neueste Version auf die ich eigentlich aktualisiert habe, „F13d“. Dann kam der Gedanke „Auch hier nochmal aktualisieren, evtl. ging ja etwas schief“. Gesagt, getan – Mit Qflash aus dem UEFI heraus wieder aktualisiert. Wieder lief es etwas stockend aber durch. Dann wieder der automatische Neustart.
„No Boot“
Nichts mehr ging. Kein Piepsen, und laut dem digitalen Fehlercode (Zum Glück hat dieses Board eine Anzeige dafür!) „bootloopte“ das UEFI immer wieder zwischen „3E“ und „C2“. In diesem Moment dachte ich, das Board ist ohne viel Gefrickel mit manuellem Flashen hinüber.
Viele Neustarts später keine Veränderung. Also habe ich recherchiert – Andere müssten ja auch auf dieses Problem gestoßen sein. Tatsächlich hatte ich Glück im Unglück: Dieses Mainboard hat „Qflash Plus“, das war mir nicht bewusst. Darüber kann man das UEFI wiederherstellen wenn es defekt / korrupt ist. Super Funktion!
UEFI Recovery
Im Handbuch (archive.org) für dieses Mainboard ist auf Seite 75 erwähnt wie man vorzugehen hat. Der Computer sollte natürlich ausgeschaltet sein. Der Einfachheit halber hier die Schritte:
- Schritt:
Die gewünschte Firmwareversion von der Gigabyte-Website herunterladen (hier, archive.org).
- Schritt:
Das ZIP-Archiv entpacken.
- Schritt:
Die enthaltene Firmwaredatei (16 MB Größe) samt Dateiendung umbenennen zu: „GIGABYTE.bin“ .
- Schritt:
Einen USB 2.0 Stick mit maximal 32 GB Kapazität verwenden der als FAT32 formatiert ist und darauf die umbenannte Datei platzieren. Ein Stick mit Status-LED ist sehr hilfreich um die Aktivität zu sehen.
- Schritt:
Am Mainboard gibt es einen weißen USB-Port (archive.org), den Stick dort anschließen.
- Schritt:
Den Computer einschalten. Wenn der Stick eine Status-LED hat wird diese bei der Initialisierung kurz aufleuchten. Nach kurzer Zeit blinkt neben dem weißen USB-Port eine orangene LED und auch der Stick sollte einige Sekunden lang Aktivität anzeigen.
- Schritt:
Nach einiger Zeit leuchtet nichts mehr. Entweder der Computer startet nun von selbst neu oder man muss manuell am Netzteil aus- und wieder einschalten. Den USB-Stick im manuellen Fall entfernen.
- Schritt:
Mit dem Einschalter starten, es dauert wirklich lange bis eine Reaktion kommt. Falls das Board piepst, einfach ignorieren. Irgendwann erscheint endlich der gewohnte silberne „AORUS“ Bootscreen.
- Schritt:
Mit „ENTF“ ins UEFI gehen. Daraufhin startet eine Recoverysequenz, die etwas Zeit in Anspruch nimmt. Danach ist man wieder im UEFI und das Board ist gerettet!
Puh.
Zuerst einmal danke an Gigabyte, das es diese „kopflose Flashbackfunktion“ überhaupt gibt. Gleichzeitig ist das UEFI wirklich instabil, friert öfter ein und das Backup-UEFI hat mehr genervt als genützt. Der Server läuft aber wieder.
Das neueste UEFI für dieses Mainboard, „F13d“ läuft nach wie vor auch über Qflash Plus nicht. Die Version von 2021, „F13a“ läuft über diesen Weg auch nicht mehr! Ich musste runter auf die Version „F12“ von 2019, diese lief auf Anhieb. Total unlogisch, „F13a“ war zuvor ja auch installiert und lief problemlos. CMOS zurücksetzen hat nichts geändert. Dadurch das sich technisch wenig geändert hat kann ich mit der älteren Version leben, komisch finde ich es aber trotzdem.
Auch von der funktionierenden Version „F12“ aus auf eine der zwei F13-Versionen normal aktualisieren läuft nicht. Es sieht erst einmal alles gut aus aber am Ende wieder kein POST. An mehreren Stellen habe ich gelesen, das viel RAM Teil des Problems sein könnte, ich wollte den Server aber nicht zerlegen, da alles sehr eng gebaut ist. Ich betreibe 128 GB DDR4-2666 @ 3000 MHz in Form von 8 Riegeln mit je 16 GB Kapazität, mit weniger funktioniert der Boot vielleicht auch mit den neueren Versionen wieder.
Ich hoffe ich konnte jemandem damit helfen, ich dachte wirklich ich muss ein anderes X399 Mainboard als Ersatz suchen.