Externe 3.5″ Festplatten von WD und ihre absichtlichen Inkompatibilitäten

Veröffentlicht am 14. Dezember 2025 um 4:46

Früher gab es viele Hersteller von Festplatten, heute nur noch wenige. Drei haben die Überschwemmung mit aus technischer Sicht meistens besseren Solid State Drives überlebt: Western Digital (inklusive des früher eigenständigen Herstellers HGST), Seagate und Toshiba. Mein Favoriten waren immer WD und HGST, bisher haben sich diese Hersteller als langlebig und generell zuverlässig herausgestellt. Toshiba habe ich im 3.5″ Bereich nie großflächig eingesetzt und daher kaum Erfahrungswerte, mit Seagate habe ich einige schlechte Erfahrungen gesammelt daher vermeide ich Produkte von dieser Firma.

In einem Bereich sind Festplatten weiterhin ungeschlagen im Vergleich zu SSDs: € pro TB Speicherkapazität. Dieses Verhältnis kann und konnte man noch weiter verbessern, in dem man externe Festplatten kauft und diese „shuckt“ – Also das im Inneren verbaute 3.5″ Standardlaufwerk mit SATA-Interface des jeweiligen Herstellers ausbaut und anderweitig verwendet, zum Beispiel in einem NAS oder Storageserver. So kommt man je nach Anschaffungspreis recht günstig an neue Festplatten mit großen Kapazitäten.

Der Nachteil ist, das bei einem Defekt die Garantie unter Umständen nicht honoriert wird bzw. externe Festplatten generell eher niedrige Garantiezeiten haben. Fast immer sind mittlerweile auch „niedriger gebinnte“ also minderwertigere Modellvarianten von Retailversionen verbaut, oft auch mit spezieller, bremsender Firmware („White Label“).

Trotzallem ist der Preisunterschied im Vergleich zu der reinen Einzelfestplatte gerade bei Angeboten in den vergangenen Jahren zum Teil derart hoch gewesen das sich darüber hinwegsehen ließ.

Was bleibt immer übrig?

Alles außer die Festplatte selbst. Also das Gehäuse, die Platine um aus SATA USB zu machen und das 12 Volt Netzteil. Wenn man einige Festplatten „geshuckt“ hat, sammelt sich da über die Zeit einiges an. Bei mir haben sich verschiedene Modelle externer Festplatten von WD angesammelt, 13 Gehäuse insgesamt.

Eines Tages wollte ich eines dieser Gehäuse weiterverwenden, indem ich eine Festplatte von HGST mit 6 TB Speicherkapazität einbaute. Wenn man diese Gehäuse schon öfter zerlegt hat dann ist der Zusammenbau ein Kinderspiel. Nach dem Anschluss an Strom und einen Computer dann Ernüchterung: Die Festplatte wird nicht erkannt!

Was?!

Ja ernsthaft. Western Digital hat dafür gesorgt das die eigentlich recht generischen Controllerplatinen in diesen Gehäusen nur mit Festplatten von Western Digital funktionieren. Zumal HGST seit längerem zu WD gehört, nicht einmal das läuft. Ich habe versuchsweise eine WD Blue verbaut – Diese funktionierte sofort.

Nach frustrierter Suche fand ich Beiträge andere User die ebenso vor den Kopf gestoßen waren. Aber es war Licht am Ende des Tunnels: Es gibt wohl Modelle die von Haus aus einfach mit allem funktionieren, dann wieder welche wo eine kleine Modifikation nötig ist um zu funktionieren und welche bei denen man eine andere, offene Firmware flashen kann.

Und darum soll es in diesem Beitrag gehen – Wie sorgt man dafür das der Controller alle Festplatten akzeptiert. Ich kann für drei Arten externer WD-Festplattengehäuse sprechen.

Zuerst der Problemfall, über den ich stolperte:

Das Gehäuse war von einer 4 TB Festplatte, Bauart WD MyBook – Modellnummer „WDBFJK0040HBK-04“. Gekauft um 2015, refurbished. Nach etwas Recherche war ich positiv gestimmt, dieses Gehäuse vollumfänglich nutzbar zu machen.

Als Controller hat Western Digital einen ASM1051W von ASMedia (einem ASUS Tochterunternehmen) eingesetzt, augenscheinlich mit Datenanbindung zu einem externen SPI-Chip von Winbond.

Bastler haben herausgefunden das wenn der Controller nicht mit dem SPI-Flash kommunizieren kann, dieser sich als Fallback wie jeder andere generische ASMedia-Chip verhält. Jackpot.

Es gibt wenig zu verlieren, was muss getan werden?
Einfach den Kontakt zum Rest der Platine an Pin 1 und 2 des Winbond-SPI-Chips durchtrennen. Dazu habe ich mit einem Elektronikseitenschneider die zwei Pins von der Seite vorsichtig durchgeknipst und die nun getrennten Kontakte mit der Klinge des Cuttermesser zusätzlich leicht angehoben bis ich mit dem Auge einen Abstand sehen konnte. Theoretisch hätte wohl Pin 1 gereicht, aber so ist es sicherer:

Im Anschluss habe ich dann alles wieder zusammengebaut und siehe da:

Erfolg. Ich habe dann noch Tests mit einer Seagate und einer Toshiba Festplatte gemacht, läuft alles. Im Anschluss habe ich dann die verbleibenden drei Gehäuse dieser Bauart in meinem Besitz so modifiziert.

Das von Haus aus laufende Modell

Es gibt offensichtlich einige Revisionen der Controllerplatinen in den verschiedenen Modellen. Ich habe als nächstes das Gehäuse einer WD Elements mit der Modellnummer „WDBWLG0080HBK-0B“ mit ehemals 8 TB zerlegt, als Controller war dort ein JMicron JMS579 samt SPI-Flash von Winbond verbaut. Diese Kombination gibt es wohl in problematisch und unproblematisch, in diesem Modell lief die Festplatte von HGST ohne jegliche Modifikationen.

Berichten zufolge gibt es aber auch Versionen mit diesem Controller, die nicht laufen. Wenn dieser spezifische Controller verbaut ist und nichts anderes als Festplatten von WD erkannt werden, sollte ein Flash offener Firmware Abhilfe schaffen.

JMS579 Firmware flashen

Zuerst bin ich auf diesen Beitrag gestoßen:

Von dort aus habe ich mich dann weiter durchgehangelt, bis zu einer „schlüsselfertigen Lösung“. Diese stammt ursprünglich aus einem chinesischen Forum in chinesischer Sprache und wurde von einem netten User ins Englische übersetzt.

In diesem Archiv ist alles was man benötigt um ein WD Gehäuse mit diesem Controller umzuflashen (auch das besagte englische Tutorial ist als PDF enthalten):
Download bei Mediafire
Download bei Archive.org

Fazit

Es ist wirklich unverständlich warum die Hardware mit voller Absicht zu potenziellem Elektroschrott gemacht wird. Irgendwo sind doch auch Grenzen und ich kann mir nicht vorstellen das die öffentliche Wahrnehmung von Western Digital durch ein solches Design in irgendeiner Form positiv beeinflusst wird.

Ich konnte alle in meinem Besitz befindlichen, nicht funktionierende Gehäuse durch Flashen der Firmware oder Modifikation des SPI-Flashes funktionsfähig machen.

Leider liest man auch von neueren Revisionen, für die es im Moment keine Lösung zu geben scheint. Die WD MyBook Duo Gehäuse scheinen generell nicht modifizierbar zu sein. Schade, davon besitze ich auch mehrere – Noch mit Festplatten von WD in Betrieb.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert