Es gibt einige Hersteller fertiger NAS Lösungen. Mit die bekanntesten sind vermutlich QNAP und Synology. Ich war von Anfang an ein Fan von Synology – „Das Apple der NAS-Systeme“, im besten Sinne.
Pflegeleicht, ausgereift, stabil. Alles Dinge, die man sich an einem System, das 24/7 läuft, wünscht. Das konnte Synology immer liefern. Zwar fast immer teurer als die Konkurrenz und auch sicher immer mit sehr schwach ausgelegter Hardware. Aber stabil und stetig.
Buckle up, der Prolog:
Meine persönliche Reise der Dateiserver begann mit einem ausgesonderten Desktop-PC, der zuerst einige Verzeichnisse für andere Computer bereitstellte. Eigentlich waren es eher verschiedene übrige Komponenten, eine möglichst stromsparende Grafikkarte und alle möglichen Datenträger. Das Betriebssystem war Windows XP, das Jahr war 2008.
Aus Verzeichnissen wurden ganze Laufwerke und aus Windows XP recht bald das eng verwandte Windows Server 2003. Das lief dann hin und wieder über einige Zeit. Nachdem die erste Festplatte voller Daten ohne RAID oder Sicherung den Dienst quittierte war auch klar wofür Backups da sind.
Die Hardware dieses einfachen Dateiservers wurde immer wieder geändert, die Datenträger auch. Bald wurden automatische Backups auf externe Datenträger gemacht. Das lief alles mehr oder minder brauchbar. Das Hauptproblem an dem System war die Wartbarkeit und der recht hohe Stromverbrauch in jeder Lebenslage. Naja und das Windows nicht das Beste aller Serverbetriebssysteme ist, aus verschiedenen Gründen.
Das Jahr 2011 kam und ich las das erste Mal von der Firma Synology und deren Produkte. Ich war sofort interessiert. Der Windowsserver lief aber erst einmal weiter. Ich verfolgte die neu veröffentlichten Produkte von Synology aufmerksam und mir war klar, das ich eines Tages den Einstieg in die NAS-Welt mit Synology wagen wollte.
Der erste Schritt…
Es waren zwei Jahre vergangen, 2013. Strom ist teuer. Da lief ein gutes Angebot an mir vorbei: Ein Synology NAS, Modell DS213j (Nachfolgemodell*). Das wurde direkt gekauft. Nach kurzer Recherche und aufgrund vergangener Erfahrungen und Vorkommnisse war klar das die zwei geplanten Festplatten von Western Digital sein würden. Am allerbesten die passende „WD Red“ Serie, speziell für 24/7 laufende NAS. Die wurden es dann auch – Zwei 3.5″ HDDs, WD Red mit je 4 TB Kapazität*.
Als die Komponenten dann angekommen waren, war der erste Eindruck „wenig Material für viel Geld“. Die J-Serie von Synology ist (bis heute) die günstigste und leistungsschwächste, das war mir bewusst. Der Eindruck täuschte: Anleitung gelesen, Gehäuse zerlegt, Festplatten rein, alles wieder zusammen und Netzteil dran. Nach wenigen Minuten fand ich in meiner FritzBox die via DHCP zugeteilte IP des neuen NAS, also dorthin navigiert. Alternativ wäre auch https://www.find.synology.com gegangen.
Damals war das von Synology propertiär entwickelte Betriebssystem DSM („DiskStation Manager“) in der Version 4 aktuell. Der Einrichtungsassistent war schön, verständlich und flott. Nach weiteren, wenigen Minuten war der „Desktop“ zu sehen, also der Hauptbildschirm. Nach einigen Klicks mehr waren beide Festplatten auf RAID-1 konfiguriert und Shares erstellt.
So muss das laufen, habe ich mir damals schon gedacht.
Es kam wie es kommen musste.
Festplatten werden gefüllt, durch größere ersetzt und wieder gefüllt. Und so geht das weiter. Ein blinkender Baum aus Switches und Geräten wächst. Um die Geschichte stark abzukürzen: Dieses erste NAS, das DS213j läuft heute noch als Dateiserver, 12 Jahre später. Auf eigenes Risiko auf DSM 7 aktualisiert. Mit originalem Netzteil und originalem Lüfter. Die Festplatten wurden natürlich schon mehrfach ersetzt, heute werkeln dort zwei 10 TB WD Reds* im RAID-1. Die ursprünglich eingesetzten 4 TB Festplatten funktionieren aber auch heute noch und stecken in Desktop-PCs, mit enorm vielen Betriebsstunden.
Auf dieses 2-Bay NAS folgte Ende 2014 ein zweites, ein DS414 mit vier Einschüben. Die Ansprüche stiegen, der Speicherplatzbedarf auch. Als Festplatten wurden wieder die WD Red mit je 4 TB Kapazität verbaut, durch Synology SHR fiel nur eine der vier HDDs als Datensicherheit weg. 2018 kam dann der bisher dickste Brocken: Ein DS1819+ mit stolzen acht Einschüben und einem sehr hohen Anschaffungspreis. Achtmal 10 TB WD Red, auch wieder SHR. Man sieht genau die Entwicklung: Erst ein günstiges J-Modell, dann ein „normalstarkes“ ohne Suffix und nun eines mit „+“, also mehr Leistung.
Alle drei NAS laufen bis heute nebeneinander und erfüllen verschiedene Zwecke. Am DS414 und DS1819+ hängen zusätzlich noch mehrere WD MyBook Duo RAID-Gehäuse, die über USB 3.0 angebunden und als Mirror konfiguriert sind. Man könnte also durchaus davon sprechen das ich mit der Hard- und Software der Firma sehr zufrieden war und bin, unbeeinflusst durch die höheren Preise.
Guter und langer Softwaresupport kostet einfach Geld und sehr günstige Hardware hat meistens den passenden schlechten Softwaresupport. Siehe günstige chinesische Androidgeräte im Vergleich z.B. zu Apple.
⧉ Synology
⧉ Synology
⧉ SynologyWas hat sich geändert?
Alles ist mit den Jahren immer Konsumentenunfreundlicher geworden. Man muss bedenken, das der Fokus von Synology auf Businessanwendungen liegt und lag – trotzdem haben sich immer mehr unschöne Gegebenheiten und Dinge eingeschlichen. Angefangen hat es mit Funktionalitäten, die plötzlich weggepatcht und separat zahlungspflichtig ausgelagert oder sogar ersatzlos gestrichen wurden. Da kann man eventuell darüber hinwegsehen, ich hatte die NAS immer nur als das im Einsatz was sie sind: Maximal stromsparende Dateiserver. Für kleinere Dienste ganz OK, das ist aber immer nur ein Kompromiss.
Dann kam Anfang 2021 die Nachricht rein, Synology biete ab sofort ihre eigenen, umgelabelten First-Party Festplatten an. Ein negatives Gefühl machte sich breit. Warum war das nötig?
Dann kam was leider vorauszuahnen war: Die Gier von Synology hat offensichtlich Hirn gefressen wie man im Volksmund sagt und es wurde verkündet, das alle neuen „+“-NAS von Synology zukünftig nur mit Datenträgern von Synology selbst voll funktionsfähig sein würden, wie auch schon die RackStations.
Ganz schlecht. Gaaanz gaaaaanz schlecht. Liebe Firma Synology, ich kann mir locker einen Dateiserver zusammennieten oder fünf, für viel weniger Geld und mit deutlich mehr Rechenleistung. Und da bin ich sicher nicht der einzige. Dazu kommt: Wieviele von uns haben privat mit Synology NAS-Systemen angefangen und dieses Wissen dann zum Arbeitsplatz getragen die daraufhin auch auf diese Firma und ihre Lösungen gesetzt haben?
Davon abgesehen weiß ich noch nicht einmal mehr wievielen anderen ich Synology entweder empfohlen oder selbst eingebunden habe. Es waren einige, das ist nun vorbei. Auch hier denke ich das ich nicht der einzige sein kann dem es so geht. Mit dem Zwang, nur noch ihre eigenen SSDs einsetzen zu können kam dazwischen noch der nächste Dämpfer.
Softwareseitig gibt es mittlerweile extrem gute Alternativen, um mit Unraid oder TrueNAS zwei ausgereifte Betriebssysteme zu nennen. Dazu kommen noch alle anderen Fertig-NAS-Anbieter, wie QNAP oder Asustor. Fortgeschrittene nehmen einfach Standardhardware und installieren sich Ubuntu Server, das ist am flexibelsten. Oder bauen sich etwas schönes und auf niedrigen Stromverbrauch optimiertes mit Hardware von UGREEN oder Orico.
Der Konsument stimmt mit dem Geldbeutel ab.
Das ist eingetreten, die Verkäufe von Synology NAS-Systemen sind augenscheinlich dramatisch eingebrochen. Im Oktober 2025 sind sie still und heimlich zurückgerudert, alle Festplatten werden wieder akzeptiert. Es ist zu spät, zumindest für mich. So eine Aktion kann man nur einmal bringen und danach glaubt einem keiner mehr.
Das nächste NAS wird mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit keines der Firma Synology sein und der nächste der mich um Empfehlungen fragt wird den Begriff Synology nicht zu hören bekommen. Außer man bekommt die Hardware fast geschenkt, das wird eher nicht eintreten.
Schade drum. Immer wenn etwas ein gutes Gesamtpaket ist wird es kaputtgespielt.
Ich prophezeihe das die Firma AVM bzw. Fritz in Zukunft ebenso gierig werden wird, seit dem Verkauf geht es nur noch um Shareholder Value. Auch AVM hat immer etwas teurere aber zuverlässige, funktionsreiche und lange aktualisierte Hardware hergestellt, ich befürchte das sich dieses Verhalten nun zum Negativen ändern wird.