Macintosh SE, oder: Digitaler Bilderrahmen mit Geschichte

Veröffentlicht am Published on 发表于 4. März 2025 um at , 2:37

Vor einigen Jahren kam mir ein Macintosh SE 1/40 in die Hände. Nach kurzer Begutachtung war klar: Leider ist mindestens das Mainboard unrettbar defekt – Feuchtigkeitsschaden. Auch die Batterie ist ausgelaufen und hat das halbe Mainboard oxidieren lassen. Dann stand dieses Exemplar über Jahre quasi in der Verwahrung nur herum.

Dieser Macintosh war von der Person, die mir diesen überlassen hat zu Studienzeiten gerne und stetig genutzt worden und steht demnach für einige Erinnerungen – Das war die Basis, um aus diesem eigentlich defekten und unbrauchbaren Computer eine Art Zeitkapsel zu bauen. Es stand der 60. Geburtstag des ursprünglichen Besitzers an, ein ideales Geschenk.

Zustand

Als erstes habe ich den gesamten Computer zerlegt, um festzustellen was wie passen könnte und um die Platzverhältnisse zu sehen:

Damit sollte man arbeiten können!

Die Basis

Was ist das wichtigste an einem digitalen Bilderrahmen?
Richtig – die Bildqualität.

Noch cooler als Komponenten aus wesentlich jüngeren Appleprodukten zu verwenden wird es nicht:
Ich habe mich für ein Komplettset aus China* entschieden, das auf einem iPad 3 Retina-Bildschirm basiert.

Die technischen Daten entsprechen fast perfekt meinen Vorstellungen:

  • 9.7″
  • Seitenverhältnis 4:3, perfekt für die Bildschirmöffnung im Gehäuse des Macintosh SE
  • 2048 x 1536 Pixel bei 60 Hz
  • 264 ppi
  • IPS-Panel, 440 nits Helligkeit
  • Ansteuerung via HDMI

Das Projekt soll im Dauerbetrieb lauffähig sein, daher ist ein IPS-Panel mit LED Backlight nach E-Ink technisch quasi das bestmögliche. Super, damit ist die allerwichtigste Komponente klar.

Befestigt habe das Panel mit 3D-gedruckten Adaptern, die an das originale Lochbild passen. Die runde Form des ehemaligen Röhrenbildschirms habe ich mit Kompriband elegant ausgeglichen, das hat mehrere Vorteile:
Weich, selbstanpassend und eher matt, das kaschiert den Abstand schön.

Erster Test des verbauten Displays. Besser als erhofft, die Bildqualität ist richtig gut, trotz darüberliegendem Touch!

Angesteuert wird das Display via Raspberry Pi 3 B+*, über den HDMI-Ausgang.

Der Aufbau

Die Bedienung findet primär über Berührung statt, drei Funktionen habe ich aber als Taster ausgeführt – Diese kann man im dritten Foto sehen, herausstehend aus dem Schlitz des ehemaligen Diskettenlaufwerks. Stilecht in schwarz gehalten, diskettenähnlich.

Zusätzlich werden auch die originalen LEDs genutzt, um den Status verschiedener Funktionen anzuzeigen. Sowohl Taster als auch LEDs werden entprellt über die GPIOs des verwendeten Raspberry Pi angesteuert.

Sound kommt aus zwei USB-bestromten, einfachen 5 Watt RMS Lautprecherchen*, die via 3.5 mm Klinke am Raspberry hängen. Das System und die Software liegen auf einer 32 GB MicroSD (SanDisk Ultra*), die eigentlichen Daten (Sounds, Musik und vor allem Fotos und Videos) liegen auf einem USB 2.0 Stick mit 128 GB Kapazität (SanDisk Cruzer Blade*).

Parallel zu den „fest verbauten“ Daten befindet sich an der Rückseite des Macintosh zusätzlich zum Kaltgeräteanschluss* und Einschalter ein USB 2.0 Anschluss, über den extern neue Fotos hinzugefügt werden können (Es existiert extra ein Menüpunkt für diesen Zweck).

Eine RTC* ist ebenfalls verbaut, um einmal im Jahr zum Geburtstag des Beschenkten besondere Aktionen ausführen zu können (Dazu muss man das Datum und die Uhrzeit speichern können).

Software

Leider kann ich nicht stark auf die von mir erstellte Software eingehen, da überall persönliche Dinge für die „Zielperson“ darin vorkommen. Die eigentliche Slideshow basiert auf „Picframe“ , u.a. wegen den wirklich schönen Animationsmöglichkeiten und der guten Leistung.

Programmiert habe ich die gesamte Steuerung und GUI mit Lazarus in Object Pascal, ebenfalls auf einem Raspberry 3 B+. Pascal ist meine Lieblingsprogrammiersprache, zusammen mit C#. Nach HTML war Pascal zusammen mit C++ als Kind mein Einstieg in die Skript- und Programmierwelt, dabei bin ich größtenteils bis heute geblieben (Borland Delphi, Embarcadero RAD Studio, Lazarus, Visual Studio, VSCode). Gerade Lazarus ist durch die Cross-Platform Möglichkeiten eine sehr unterschätzte IDE.

Teilfunktionen sind als Scripts ausgelagert, dann in Bash.

Die drei Taster die optisch im Diskettenschacht versteckt sind haben folgende Funktionen:

Links:
MENÜ – Quasi der „Home“-Button

Mitte:
PAUSE – Slideshow anhalten (Gelbe LED blinkt wenn pausiert)

Rechts:
MUTE – Ton stummschalten, gedrückt halten für Musikinfo (Rote LED leuchtet wenn stumm)

Das Hauptmenü ist in ganz bestimmten geometrischen Formen gehalten und beinhaltet u.a. Eastereggs und versteckte Funktionen. Da die beschenkte Person Udo Lindenberg* Fan ist, läuft im Hintergrund permanent Musik dieses Künstlers im Shuffle. Die Lautstärke kann zentral via Software geregelt werden, abgespielt wird mit „mpg123“ .

Videos sind auf 720p heruntergerechnet, da die Wiedergabe sonst geruckelt hat, abgespielt wird via „cvlc“ . Jeder Tastendruck oder jede Touchscreenberührung wird durch Soundeffekte quittiert. Die Fotos und Grafiken sind aber in der sehr hohen nativen Auflösung des Displays via Photoshop-Vorlage als respektive JPG oder PNG entstanden und sehen qualitativ sehr gut aus.

Es gibt eine „Hochfahranimation“ und der Boot von Rasbian ist auf verbose eingestellt, für den „Fancy Computer Look“. Knapp über 2.000 Zeilen Code hatte das Hauptprogramm am Ende.

Gedanken zum Projekt

Da das ganze Projekt unter starkem Zeitdruck entstanden ist, gibt es (leider) nur wenige Fotos. Mir hat die Umsetzung wirklich Spaß gemacht und es war mal wieder eine Gelegenheit meine Limits auszutesten und zu erweitern.

Mit GPIO- und ARM-Programmierung hatte ich kaum Erfahrung und dann direkt so extrem einzusteigen – Naja. Es war zwischendurch frustrierend, einige Nächte wurden durchprogrammiert und designt, viele Fehler gemacht und ausgebügelt. Perfektionist zu sein hat eher geschadet als genützt, aber immerhin ist das angepeilte und auch erreichte Qualitätslevel dann hoch.

Das Ergebnis kann sich trotz den Umständen sehen lassen, wenn man alles bedenkt kann man einen noch personalisierteren Bilderrahmen nicht bauen – Alles strotzt vor Erinnerungen, kleinen Gimmicks und Referenzen. Ich würde so etwas in Zukunft auch wieder bauen.


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