Als allererstes musste ich sicherstellen, dass das Modul auch wirklich elektrisch bzw. softwareseitig funktioniert. An mehreren Stellen im Internet habe ich gelesen, das es durchaus Modelle gibt (z.B. die ProDesk Serie) in die das Modul physikalisch passt aber UEFI-seitig nicht funktioniert da die notwendigen Treiber dort nicht integriert zu sein scheinen. Dafür habe ich den CPU-Kühler temporär durch einen alten Intel-Kühler ersetzt, mit etwas Wärmeleitpaste dazwischen. Dadurch passt das Modul dann:



Offline wird der Netzwerkadapter als solcher erkannt und mit funktionierender Internetverbindung installiert Windows automatisch den passenden Treiber. Aber auch mit dem Treiber direkt von Marvell sollte das Modul erkannt werden und laufen, außerdem ist die Treiberversion bei Marvell stets neuer (Marvell Public Drivers -> Windows -> AQC113):
Download des Treibers bei Marvell
Geräte-Manager
Wenn alles korrekt installiert worden ist kann man im Geräte-Manager prüfen ob alles wie gewünscht eingestellt bzw. erkannt worden ist:








Auch mit HWiNFO kann man einiges über das Modul erfahren:

Angebunden ist das Modul also über den propertiären Steckplatz des FlexIO v2 intern über zwei PCI-Express 3.0 Lanes, darüber sollten die vollen 10 Gbps locker möglich sein (Eine PCIe 3.0 Lane stellt theoretisch 8 GT/s bereit, zwei also 16 GT/s. Das entspricht theoretisch 1.969 Gigabyte pro Sekunde wobei 10 GbE maximal ca. 1.25 GB/s übertragen kann).
Zusammenfassend kann man sagen, das auf elektrischer und Softwareebene alles zu funktionieren scheint. Es ist also wirklich „nur“ ein mechanisches Problem, weswegen das revidierte, neuere Modul nicht mehr in die Mini-PCs passt. Eine vollkommen unverständliche Entscheidung seitens HP.
Mechanische Anpassungen
Näher betrachtet sollte man den Befestigungspunkt adaptieren können. Am allerbesten wäre ein gefrästes CNC-Teil, inklusive dem werksseitig vorhandenen Federdruck unter der Schraube, um den Anpressdruck des Kühlers auf die CPU weiterhin zu gewährleisten. Ich wollte das Problem aber realitäts- und zeitnah behoben haben und habe daher eine Adaptierung aus Aluminiumwinkelprofil gebaut, direkt am lebenden Objekt.
Zuerst muss der Kühler überhaupt montierbar gemacht werden, dazu erst einmal eine Bestandaufnahme was möglich ist:





Der dritte Verschraubungspunkt muss weichen, da führt leider kein Weg dran vorbei. Wenig Platz ist vorhanden, aber immerhin.
Kühlerbearbeitung
Zuerst habe ich die Wärmeleitpads entfernt, um Metallspäne in diesen zu vermeiden. Als nächstes habe ich den Weißblechdeckel des Kühlers abgeschraubt (PH0) um sehen zu können wie die Lage innen aussieht. Dann wurde die „Ecke“ passend bearbeitet:










Nun ist der Kühler zusammen mit dem Netzwerkmodul zumindest an der richtigen Stelle platzierbar:

Eine Halterung bauen
Ich habe einen sowieso übrigen Abschnitt eines Aluminiumeckprofils verwendet und entsprechend bearbeitet. Eine passende Schraube mit dem im IT-Bereich (leider) verbreiteten Zollgewinde „UNC 6#-32″ hatte ich in meinem Teilelager. Das ist dasselbe Gewinde wie z.B. in 3.5“ Festplatten seitlich zur Befestigung vorhanden sind:




Um die Höhe des zweiten Lochs für die Befestigung des Kühlers zu ermitteln habe ich das Bauteil testweise in den Mini-PC geschraubt. An der Unterseite, an dem das Winkelstück die Platine berührt habe ich mithilfe von PVC-Isolierband für Isolation und Schutz gesorgt:





Die Torxschraube in Richtung Kühler ist eine M3-Senkkopfschraube aus Edelstahl, um durch den Senkkopf wenigstens etwas Druck auf den Prozessor auszuüben. Eine Klemmung via Langloch im Winkel und Linsenkopfschraube war mir zu „unsicher“, wenn es rutscht hält nichts mehr. Die UNC-Schraube im originalen Befestigungspunkt habe ich zusätzlich heruntergefeilt, da das unpassende Modul direkt über der Schraube leider auch noch von unten bestückt ist:




Nun konnte ich alles wieder zusammenbauen und erste Tests vornehmen. Als TIM habe ich MX-4 von Arctic verwendet, um zu prüfen ob die Adaptierung überhaupt funktioniert oder ob der Kühler nun so schlecht sitzt das ich eine zweite, stabilere Variante bauen muss. Auf den abgefeilten Schraubenkopf habe ich wie auf der Unterseite des Winkels eine Schicht weißes PVC-Isolierband geklebt, es passt zwischen den SMD-Komponenten und dem PVC gerade so ein Blatt Standarddruckerpapier. Das funktioniert, aber es ist trotzallem sehr knapp:





Nun gilt es herauszufinden ob die Kühlleistung weiterhin gegeben ist um dann zuerst die Firmware des Netzwerkcontrollers zu aktualisieren.